CLINICA I-QMED
DR.M.B.MAKKI
Hörsturz und Tinnitus

Ratgeber

Watte im Ohr und falsche Töne

 

Hörsturz und Tinnitus

 

Unser Ohr kann bis zu 400.000 Töne unterscheiden. Diese hohe Sensibilität bringt jedoch eine hohe Anfälligkeit für Störungen aller Art mit sich. Besonders zu spüren bekommen dies die vielen tausend Menschen, die in Deutschland pro Jahr an einem Hörsturz oder einem Tinnitus erkranken.


Ein Hörsturz macht sich dadurch bemerkbar, dass Sie plötzlich auf einem Ohr (nur selten auf beiden Ohren) schlechter hören, ohne dass eine erkennbare Ursache wie z. B. ein Pfropf im Gehörgang oder ein Lärmschaden vorliegen würde. Häufige Begleitsymptome sind Ohrgeräusche oder das Gefühl, als ob Watte im Ohr stecken würde. Daneben kann es zu einem Druckgefühl im Ohr oder einem Schwindelgefühl kommen. Ein weiteres Begleitphänomen ist das -sogenannte Doppeltonhören. In diesem Fall hören Sie einen Ton auf dem gesunden Ohr normal und auf dem erkrankten Ohr höher oder tiefer. Darüber hinaus können auch Schwindelgefühle auftreten. Eine eher untypische Begleiterscheinung bei einem Hörsturz sind dagegen Ohrenschmerzen.

Mögliche Ursachen für einen Hörsturz

·         Blutgerinnungsstörungen

·         Schlaganfälle oder Hirnschläge

·         Gefäßveränderungen

·         Schädigungen des Innenohrs nach einer Bestrahlung

·         Tumore an Hirnnerven

·         Fehlstellungen der Halswirbelsäule

·         Medikamentenbedingte Schädigungen

·         Stressfaktoren

Da der Hörsturz zu den sogenannten idio-pathischen Krankheiten zählt, also keine eindeutig erkennbare Ursache hat, geht es bei der Diagnostik vor allem darum, andere Erkrankungen auszuschließen. Sie sollten daher Ihren Arzt über evtl. Allgemeinerkrankungen wie Bluthochdruck, Erkrankungen des Nervensystems oder Infektionen informieren. Im Anschluss an das therapeutische Gespräch werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, mit denen die Funktionstüchtigkeit des Ohrs überprüft wird. Dazu gehören z. B. die Otoskopie (Gehörspiegelung) oder die Tonaudiometrie (Hörschwellenmessung), aber auch Verfahren wie die Magnetresonanztomographie oder die Computertomographie.
Auch wenn die Symptome in manchen Fällen von alleine wieder verschwinden, ist es wichtig, innerhalb von 24 Stunden nach einem Hörsturz einen Arzt aufzusuchen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu irreparablen Schäden des Hörvermögens kommt. Mediziner gehen davon aus, dass ein Hörsturz mit einer Durchblutungsstörung des Innenohrs in Verbindung steht. Deshalb wird zunächst meistens eine Infusionsbehandlung durchgeführt, bei der man für einige Tage durchblutungsfördernde Substanzen zuführt. Ziel ist es vor allem, die Gefäße zu erweitern und die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern. Dabei werden Wirkstoffe eingesetzt, die auf bestimmte Ziele abgestimmt sind. So können, um den Stoffwechsel der Sinneszellen zu beeinflussen, lokale Betäubungsmittel wie z. B. Präparate mit den Substanzen Xylocain und Novocain eingesetzt werden. Entzündliche Prozesse wiederum sollen durch die Verabreichung von Glucocorticoiden (Cortison) eingedämmt werden. Eine spezielle Methode, mit der man darauf abzielt, den Flüssigkeitsdruck im Innenohr zu verringern, ist die Infusionstherapie nach -Vollrath. Sie fördert die Ausscheidung der sogenannten Endolymphe, der Flüssigkeit im Hörorgan, über den Urin. Unter den physikalischen Therapiemethoden ist besonders die -sogenannte hyperbare Sauerstofftherapie oder hyperbare Oxygenisation (HBO) von Bedeutung. Dazu benutzt man eine Überdruckkammer, in welcher der Patient reinen Sauerstoff einatmet. Auf diese Weise wird die Sauerstoffmenge im Blut um ein Mehrfaches erhöht und die Durchblutung verbessert. Daneben können auch physiotherapeutische Behandlungen der Halswirbelsäule wie Krankengymnastik oder Massagen unter Umständen hilfreich sein.
Auch wenn die genaue Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen bei ei-nem Hörsturz unter Wissenschaftlern generell eher umstritten ist, sind die Heilungschancen bei sofortiger Be-handlung recht gut. Allerdings tritt der Hörsturz bei ca. einem Drittel der Patienten später noch einmal auf. Deshalb sollten Sie mögliche Risikofaktoren, die zu Gefäßveränderungen beitragen, wie z. B. einen hohen Blutdruck oder einen erhöhten Cholesterin- und Blutfettspiegel, soweit es geht, ausschalten. Darüber hinaus ist es wichtig, Stress abzubauen. Zu diesem Zweck empfehlen sich sowohl Entspannungstechniken als auch sportliche Aktivitäten, insbesondere Ausdauersportarten. Stress gilt auch als einer der wichtigsten Auslöser für Tinnitus (Ohrgeräusche). Darunter versteht man Klänge, die ohne akustisches Signal aus der Umwelt entstehen und nur von den Betroffenen selbst gehört werden. Das Spektrum dieser Töne reicht von Rauschen, Summen und Klingeln bis zu Zischen oder Pfeifen. Manchmal dauern sie nur eine kurze Zeit an, oft werden sie jedoch zu einer permanenten Belastung. Besonders unangenehm werden die Geräusche in völliger Stille empfunden. Von einem chronischen Tinnitus spricht man, wenn die Symptome mindestens drei bis sechs Monate andauern. Es handelt sich dabei um eine ernst zu nehmende Erkrankung, die für den Patienten zu einer schweren Belastung werden kann. Sie sollten unbedingt -einen Arzt aufsuchen, wenn

·         die Geräusche im Ohr nicht nach kurzer Zeit wieder verschwinden

·         zusätzlich ein Hörsturz oder Schwindel auftritt

·         Schmerzen oder Fieber hinzukommen

·         Sie sich in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen

Wie beim Hörsturz lässt sich die Ursache beim Tinnitus letztendlich nicht eindeutig klären. Man nimmt auch hier an, dass Durchblutungsstörungen im Innenohr eine entscheidende Rolle spielen. Dementsprechend werden zum Teil dieselben therapeutischen Maßnahmen angewandt, also z. B. die Infusionstherapie. Leider führt diese nicht in allen Fällen zum gewünschten Erfolg. Auch die hyperbare Sauerstofftherapie gehört zum Therapiespektrum. Stellt sich heraus, dass die Erstbehandlung beim niedergelassenen HNO-Arzt nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann es sinnvoll sein, eine Spezialklinik aufzusuchen. Darüber hinaus gibt es eine Fülle alternativer Heilmethoden wie z. B. die Akupunktur oder die Neuraltherapie. Wenn die Ohrgeräusche trotz -aller therapeutischen Bemühungen jedoch langfristig nicht zurückgehen, sollten Sie einen Weg finden, sie in irgendeiner Form in Ihr Leben zu integrieren. Das kann z. B. dadurch gelingen, indem Sie abends im Bett die Geräusche mit leiser Hintergrundmusik „überspielen“. Es ist schon viel gewonnen, wenn Sie lernen, die ungewollten Begleitklänge nicht mehr als dauernde Provokation zu empfinden und sich stattdessen mit ihnen zu arrangieren.

Klaus Bingler

Wie können Sie einem Hörsturz und Tinnitus vorbeugen?

·         Meiden Sie Reizüberflutung und Hektik

·         Hören Sie nur Musik, die entspannend und beruhigend auf Sie wirkt

·         Setzen Sie sich keinen extremen Lautstärken aus und halten Sie Lärmschutzvorschriften ein

·         Singen Sie selbst, denn so versetzen Sie Ihren Körper in Schwingung und entspannen sich

·         Vermeiden Sie mögliche Risikofaktoren wie z. B. das Rauchen

 

 

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